Viele PR-Texte wirken verständlich, sind es aber nicht. Erst objektive Messung zeigt, wo Sprache Leser verliert – und warum gut gemeinte Texte ihre Wirkung verfehlen.

Wie oft hast Du im Arbeitsalltag schon den Satz gehört: „Das versteht man doch“? In der PR wird Verständlichkeit häufig vorausgesetzt. Genau das ist das Problem. Denn Verständlichkeit entsteht nicht automatisch – und sie lässt sich erstaunlich schlecht einschätzen, wenn man selbst tief im Thema steckt.

Eine aktuelle Studie zur Verständlichkeit von Pressemitteilungen zeigt deutlich, wie groß die Lücke zwischen gefühlter und tatsächlicher Verständlichkeit ist. Viele Texte, die intern als klar gelten, schneiden in der Analyse deutlich schlechter ab.

Warum Dein Bauchgefühl bei PR-Texten nicht ausreicht

PR-Texte erfüllen ihren Zweck nur, wenn sie verstanden werden. Nicht von Dir, nicht vom Absender – sondern von den Menschen, für die sie geschrieben sind. Genau hier liegt die Schwierigkeit: Wer fachlich nah am Thema ist, verliert leicht den Blick für sprachliche Hürden.

Die Studie zeigt, dass diese Fehleinschätzung kein Einzelfall ist, sondern ein strukturelles Problem. Verständlichkeit wird selten überprüft, sondern meist vorausgesetzt. Subjektive Einschätzungen ersetzen dabei eine systematische Analyse – mit vorhersehbarem Ergebnis.

Was macht Verständlichkeit objektiv messbar?

Wenn Verständlichkeit nicht dem Zufall überlassen werden soll, braucht es Kriterien. Die Studie arbeitet mit etablierten Messverfahren, die auf klar definierten sprachlichen Faktoren beruhen:

  • Satzlänge: Lange, verschachtelte Sätze erhöhen die kognitive Belastung beim Lesen deutlich.
  • Wortlänge: Mehrsilbige Wörter und Nominalkonstruktionen verlangsamen das Textverständnis.
  • Abstraktionsgrad: Konkrete Begriffe sind leichter zugänglich als abstrakte Konzepte.
  • Syntaktische Komplexität: Nebensatzkonstruktionen und Passivformen erschweren die Verarbeitung.

Wie sieht das in der Praxis aus?

Komplexes Beispiel

„Die Implementation innovativer Kommunikationsstrategien zur Realisierung unserer Unternehmensziele erfolgt unter Berücksichtigung diverser externer Faktoren.“

Verständliche Alternative

„Wir setzen neue Kommunikationsstrategien ein. Sie helfen uns, unsere Unternehmensziele zu erreichen. Dabei berücksichtigen wir verschiedene externe Faktoren.“

Die Analyse zeigt: Verständlichkeit scheitert selten am Thema, sondern fast immer an der sprachlichen Umsetzung.

Was die Analyse realer Pressemitteilungen offenbart

Besonders aufschlussreich ist der Blick auf reale, veröffentlichte Pressemitteilungen. Die Studie zeigt eine enorme Spannweite: von sehr gut verständlichen Texten bis hin zu Texten, die selbst für geübte Leser anstrengend sind.

Die typischen Verständlichkeitskiller in PR-Texten

  • Überlange Sätze mit mehreren Gedankensprüngen
  • Abstrakte Substantive statt konkreter Verben
  • Passive Konstruktionen, die Verantwortung verschleiern
  • Fehlende Leserführung durch mangelnde Struktur
  • Fachbegriffe ohne Erklärung

Warum Messbarkeit Deine PR-Arbeit verbessert

Die Studie macht deutlich, warum objektive Analyse mehr ist als ein Kontrollinstrument. Probleme werden sichtbar, Texte werden vergleichbar und Diskussionen werden sachlicher. Messbarkeit ersetzt nicht das Schreiben – sie unterstützt es.


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